Lupine Mentoring mit neuem Schwerpunkt Lernbegleitung

Hände reichen – Initiative ergreifen - gemeinsam Tandem fahren

1. Warum Mentoring mit dem Schwerpunkt Lernbegleitung?

Kinder aus geflüchteten Familien zählen schon vor der Pandemie zu den Schüler*innen mit den meisten Nachteilen im deutschen Bildungssystem. Mit dem Lock-down-bedingten Fernunterricht ging die Schwere der Bildungsgerechtigkeit noch weiter auf: es fehlt diesen Kindern überdurchschnittlich oft an einem ruhigen Arbeitsplatz zuhause, an digitalen Endgeräten, Druckern und Internetzugang und vor allem an Erwachsenen, die sprachlich und inhaltlich bei den Aufgaben helfen können, die das häusliche Lernen strukturieren und zu Anstrengungsbereitschaft motivieren können. Geflüchtete Grundschulkinder sind besonders auf Lernunterstützung -motivation angewiesen, da sie wie ihre Eltern erst am Anfang stehen, sich in einer fremden Kultur und Sprache zurechtzufinden, die Familien zumeist noch keinen Anschluss gefunden haben und ihnen die Möglichkeiten fehlen, bei Mitschülern Unterstützung zu holen oder im Internet relevante Informationen,Lernapps etc. zu erschließen. Weil aber in den unteren Klassen die Grundlagen für die gesamte Schullaufbahn gelegt wird, ist die Unterstützung des häuslichen Lernens für diese Kinder besonders wichtig. Hier setzen wir mit unserem Programm Lernbegleitung-Mentoring an. 

 

2. Zeitlicher Rahmen/Verfügbarkeit

Mentor*innen und Mentees verpflichten sich über den Zeitraum von 9 Monaten, einmal in der Woche mindestens 3-4 Stunden miteinander zu verbringen. Die verlässliche Kontinuität ist ein wichtiger Baustein für den Aufbau eines stabilen Vertrauensverhältnisses.  Die Mentoren werden auf ihre Aufgabe vorbereitet, während des gesamten Mentor*ing mit Intervision begleitet und von Therapeutinnen geschult.

Neben dem halben Tag in der Woche, der für das Kind reserviert ist, müssen die Mentoren für Schulungen und Supervision  zusätzlich einmal im Monat ca. 2,5 Stunden Zeit einplanen.

 

3. Ablauf/Zyklus/Stationen eines Mentoring-Durchlaufs

  • Auswahl der Mentees

In den Sommerferien werden die Mentees für den neuen Durchgang ausgewählt, der Ende September an den Start geht. Dies ist Aufgabe des Elternbeirats. Dieser besteht aus unserem Vorstand und Eltern ehemaliger Mentees, die sich für diese Aufgabe ehrenamtlich engagieren. Sie kennen die Kinder und ihre Familien aus der Nachbarschaft und da ihre eigenen Kinder am Programm teilnehmen, können sie auch am besten Werbung für unser Programm machen und alle Fragen aus Elternperspektive beantworten. Wenn die Eltern für das Programm gewonnen sind, ist es für uns wichtig, die ausgewählten Kinder so gut wie möglich kennenzulernen. Sie werden zu einem ersten Workshop eingeladen, auf dem unsere Pädagogen mit spielerischen Methoden Interessen und Potentiale der zukünftigen Mentees auslotet,  damit sie mit Mentor*innen zusammengebracht werden können, die gut zu ihnen passen.

 

  •  Auswahl der Mentor*innen

Parallel wird über persönliche Netzwerke und lokale Medien ausgeschrieben, um neue Mentor*innen zu gewinnen, die zunächst zu einer  Informationsveranstaltung eingeladen werden. Hier können sie sich über das Programm, die Zielgruppen, Zeit und andere Erfordernisse erkundigen. Das Lupine-Team,und erfahrene Mentorinnen stellen sich vor. Alle, die die Infoveranstaltung überzeugt hat, können im Anschluss einen individuellen Gesprächstermin vereinbaren, der zu dritt stattfindet. In diesen Gesprächen werden alle noch ausstehende Fragen geklärt und auf die Erwartungen der Bewerber*innen eingegangen. Auch hier wird geschaut, welche Interessen und Schwerpunkte die Mentor*innen haben, um sie mit Mentees zusammenzubringen, die von ihren Erfahrungen und Interessen profitieren können und umgekehrt.

Mentor*innen, die am Programm teilnehmen, werden auf der Grundlage der Kinderschutzprävention aufgefordert, vor Beginn des Programms ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis zu beantragen und vorzulegen. Dieses kann mit einem Antrag von Lupine kostenfrei beantragt werden.

 

  • Einführungsschulung

Bevor das Mentoring losgeht, findet eine ganztägige Einführungsschulung statt. Hier lernt die Gruppe sich kennen, der Elternbeirat kocht, damit die Mentor*innen auch schon mal in die neuen Kulturen "hineinschmecken" können. In der Einführungsschulung  wird über Erwartungen und Befürchtungen von Seiten der Mentor*innen gesprochen, es wird der Umgang mit Eltern und Geschwistern thematisiert und der Ablauf des  Programms ausführlich beschrieben. Es gibt eine Einführung in  die rechtliche und soziale Situation der Zielgruppe  und eine  Schulung in interkultureller Kommunikation und Interaktion. Auch die Themen Versicherungs- und Unfallschutz werden behandelt. Die zukünftigen Mentor*innen lernen die Koordinator*innen und Vorstand der Lupine kennen und haben Gelegenheit mit erfahrenen Mentor*innen,  ehemaligen Mentees und ihren Eltern ins Gespräch zu kommen.  

  •  Matching

Für das Matching, also den Prozess, ein Tandem, das idealerweise die gleichen Interessen teilt,  zusammenzubringen, nehmen wir uns viel Zeit. Es steht erst am Ende der Einführungsschulung, wenn wir mit den zukünftigen Mentor*innen bereits die Einzelgespräche geführt haben und danach einen gemeinsamen Tag verbracht haben. Mit dabei beim Matching sind unsere pädagogischen Mitarbeiterinnen und der Elternbeirat, die vor allem die Kinder und Familien gut kennen und im Blick haben, welche Tandempartner*innen am besten zusammen passen.  Die Entscheidung des Matching-Teams bleibt bis zum Startfest geheim.    

 

  •  Startfest

Erst auf dem Startfest lernen sich Mentor*in und Mentee kennen. Es ist ein fröhliches Fest, zu dem auch die Eltern, Geschwister und die Angehörigen der Mentor*innen eingeladen sind.  Die Tandems sitzen dann erstmals im "Kennenlernzimmer" an einem Tisch und tauschen sich über Interessen und Ideen für gemeinsame Unternehmungen aus. Sie füllen zusammen einen "Vertrag" aus mit dem die Vereinbarungen über das Mentoring besiegelt werden. Telefonnummern und Adressen werden getauscht und die erste Verabredung getroffen. Ab diesem Zeitpunkt treffen sie sich einmal pro Woche für 3-4 Stunden. Zunächst kommt der/die Mentor*in in die Unterkunft des Mentee, lernt ihr/sein häusliches Umfeld kennen und anschließend erweitert das Tandem allmählich den Radius der eigenständigen Unternehmungen.

 

  • Schulungen und Inhaltliche Begleitung

Jeden zweiten Monat nehmen die Mentor*innen an Schulungen teil, die sie in ihrer Aufgabe unterstützen: Umgang mit Nähe und Distanz/Kinderschutzprävention - Umgang mit Traumata - Förderung von Kreativität und Potentialen - Feste und Feiern im interkulturellen Kontext etc.. Alle unsere Schulungen werden von praxiserfahrenen Experten durchgeführt. 

  

  • Intervision:  Austausch und kollegiale Beratung

Jeden zweiten Monat - im Wechsel mit den Schulungen -  wird den Mentor*innen Intervision in kleinen Gruppen angeboten. Hier haben die Mentor*innen die Möglichkeit, sich unter Moderation der Koordinatorinnen  auszutauschen und bei  Schwierigkeiten oder Fragestellungen Rat und Hilfestellung einzuholen.

 

Jeder neuen Mentorin wird ein/e erfahrene/ Mentor*in als Mentoring-Pat*in zur Seite gestellt. Diese ersetzt nicht die Intervision oder Beratung durch  Sozialarbeiter*innen, kann aber gerade am Anfang wertvolle Tipps und Hilfestellungen bieten

 

Darüber hinaus wird einmal im Monat optional ein Stammtisch angeboten, an dem neue Mentor*innen bereits erfahrene Mentor*innen treffen und sich gegenseitig austauschen und beraten  können, so zum Beispiel auch über Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Darüber hinaus wird auch eine digitale Plattform eingerichtet, die ein geschütztes Forum bietet, auf dem sich Mentor*innen miteinander kommunizieren und sich über frei gewählte Themen austauschen können.

 

  • 1:1- Mentoring  3-4 Stunden/Woche

Die Tandems (1 Mentor*in + 1 Mentee= 1 Tandem) treffen sich einmal pro Woche zu gemeinsamen Unternehmungen: den Kiez und seine Freizeitmöglichkeiten entdecken, ein Kino- oder Museumsbesuch, oder einfach nur ein Spaziergang, ein Fußballspiel, Besuch im Schwimmbad, im Streichelzoo etc. Meistens ist es so, dass am Anfang die Mentorinnen die Vorschläge für gemeinsame Unternehmungen machen und später, wenn die Mentees schon mehrere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung kennengelernt haben, ihre Wünsche anmelden. Es gibt aber auch Mentees, die von Anfang an wissen, was sie wollen! Wichtig ist, dass Mentor*in und Mentee Spaß an dem haben, was sie gemeinsam unternehmen.

 

  • Gemeinsame kulturelle Aktivitäten aller Tandems 4 Stunden/Monat

Einmal im Monat (zumeist Samstags) findet eine gemeinsame, von der Lupine organisierte Aktivität für alle Tandems statt.  Hier stehen zumeist kulturelle oder kreative Aktivitäten an. Wir arbeiten mit einer Puppenspielerin, einer Museumspädagogin, einer Kostümbildnerin, Musikern, Choreografinnen etc.  zusammen. Am Ende des Mentoring-Durchgangs werden die Ergebnisse aus allen gemeinsamen Aktivitäten in einer Abschlusspräsentation zusammengefasst.

 

  • Optionale Angebote

Über das festgelegte Programm mit gemeinsamen Programmen und Schulungen bieten wir den Tandems optionale Angebote, wie zum Beispiel Freikarten für den Zoo, Theater, der Berlinale etc. 

  • Dokumentation und Evaluation

Die Tandems führen ein Tagebuch über ihre gemeinsame Unternehmungen.  Dadurch lernt das Kind Erlebtes zu reflektieren und nachvollziehbar festzuhalten. In welcher Form das Tagebuch geführt wird ist den Tandems überlassen. Das Tagebuch verbleibt während des Mentoring bei der/dem Mentor*in und wird beim Abschlussfest als bleibende Erinnerung an das Mentee übergeben.

 

Am Ende des Mentoring schreiben die Mentor*innen einen Bericht, in dem das Mentoring ausgewertet wird. Außerdem sind  Mentees, Mentor*innen und Eltern aufgefordert, einen  Fragebogen zwecks Evaluierung und Wirkungsmessung des Programms auszufüllen, damit das Programm aus- und weiterentwickelt werden kann. 

 

  • Abschlussfest

Am Ende des Mentoring laden wir zu einem fröhlichen Fest mit Eltern, Geschwister, Partner und Familie der Mentorinnen und dem (neuen) Freundeskreis. Im Mittelpunkt des Abschlussfests steht eine künstlerisch/kreative Präsentationen aller Tandems und die Übergabe der Zertifikate, die die Teilnahme am Programm bestätigen, an die Mentoren und Mentees, . 

 

  • Was kommt nach dem Mentoring?

 Das Abschlussfest ist nicht als Abschiedsfest gedacht, sondern markiert  eine neue Phase im Mentoring. Zwischen Mentorin und Mentee ist über die 9 Monate des Mentoring eine Beziehung gewachsen, die die Tandems fortsetzen können, wenn sie sich darüber einig sind. . 

Lupine bietet Tandems, die das Mentoring absolviert haben, die Möglichkeit, für eine weiteres Jahr am Tandem Extended  Programm teilzunehmen. Tandem Extended bekommen die Möglichkeit, sich an einigen der gemeinsamen Unternehmungen und auch an den optionale freien  Angeboten zu beteiligen. Mentor*innen im Tandem Extended  bekommen die Möglichkeit, weiterhin an Schulungen teilzunehmen.   

 

Wir freuen uns über ehemalige Mentor*innen, die den neuen Mentor*innen als Paten zur Seite stehen und die wir an unserem monatlichen Stammtisch wiedersehen.


Unsere Schulungsangebote

Feste, Feiern und Alltagskultur im interkulturellen Kontext

Umgang mit Traumata

Gewalt und Kinderschutzprä-ventionen

Kreativität und Potentiale fördern